St. Quirinus-Bruderschaft

Die ältesten Nachrichten über Bruderschaften im weitesten Sinne gehen in das 4. bis 5. Jahrhundert zurück. In den Städten des Niederrheins begegnen uns die ersten um die Mitte des 14. Jahrhunderts.

Zu den ältesten Bruderschaften in der Pfarrgemeinde Straelen ist die St. Quirinus-Bruderschaft zu zählen, die hauptsächlich das Stadtgebiet umfaßt. Es ist immer, auch in alten Büchern, das Jahr 1447 als Gründungsjahr angenommen. Leider kann dieses bis heute noch nicht urkundlich bewiesen werden. Jedoch ist kein Grund vorhanden, hieran zu zweifeln, denn aus den nachfolgenden Ausführungen geht hervor, daß die St. Quirinus-Bruderschaft ein sehr hohes Alter hat und die Zeitangabe wohl stimmen kann.

Im Jahre 1617 beschlossen die kirchlichen und weltlichen Behörden der Stadt und des Amtes Straelen, fortan zwei Schulmeister anzustellen, die bei der Größe der Stadt und des Landes notwendig seien. Die Wahl des neuen Hauptlehrers fiel auf Johann van Dript aus Venlo. Dieser erhielt außer dem Schulgeld u.a. von der St. Sebastianus- und St. Quirinus-Bruderschaft jährlich zwei Gulden.

Auch das Königssilber weist auf ein hohes Alter der Bruderschaft hin. Es befinden sich an der Königskette zwei Schützenvögel, die mit zwei kleinen Ketten an dreiteilige Tartschen angebunden sind. Beide Vögel werden normalerweise um 1570/80 datiert. Dies gilt besonders für die Tartschen, die als erster Bruderschaftsschmuck anzusehen sind und vom Brudermeister getragen wurden.
Ein Vogel und eine Tartsche sind mit der Umschrift „Sante Sebastiane/Straelen“, der ander Vogel und die andere Tartsche mit der Umschrift „Sancte Quirinus/Straelen“ versehen.

Weiterhin sind zwei identische Königsschilde vom Jahre 1648 vorhanden.

Es wird vermutet, daß sich die St. Sebastianus-Bruderschaft aus Mitgliedermangel im Jahre 1648 mit der St. Quirinus-Bruderschaft vereinigt hat, und zur Beurkundung dessen haben die Gildenmeister von jeder Bruderschaft die Schilder mit ihren Namen und Hausmarken angehängt.

Daß der heilige Quirinus als Schutzpatron gewählt wurde, ist wohl auf die damalige bewegte Zeit zurückzuführen. Die Mitglieder der Schützenbruderschaften mußten neben der kirchlichen Betätigung auch an der Verteidigung der Stadt mit der Waffe teilnehmen. Oft mußte die Festung Straelen gegen kriegerische Überfälle verteidigt werden. Eine ständige Besetzung der Türme und Wälle war vielfach nicht vorhanden, und so mußten die Bürger notgedrungen zu den Waffen greifen, um sich, ihre Familien sowie ihr Hab und Gut zu verteidigen.

In der heutigen Zeit ist die Wehrhaftigkeit nicht mehr im 27 kriegerischen, sondern im christlichen und kulturellen Bereich zu sehen. Getreu dem Wahlspruch der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften „Für Glaube, Sitte und Heimat“ haben sich die Bruderschaften folgende Aufgaben gestellt:

1. Bekenntnis des Glaubens durch
a) aktive religiöse Lebensführung
b) Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit
c) Werke christlicher Nächstenliebe

2. Schutz der Sitte durch
a) Eintreten für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben
b) Gestaltung echter brüderlicher Geselligkeit
c) Erziehung zu körperlicher und charakterlicher Selbstbeherrschung durch den Schießsport

3. Liebe zur Heimat durch
a) Dienst für das Gemeinwohl aus verantwortungsbewußtem Bürgersinn
b) tätige Nachbarschaftshilfe
c) Pflege der geschichtlichen Überlieferung und des althergebrachten Brauchtums, vor allem des Schießsports, des Fahnenschwenkens und der Ausrichtung des Schützenfestes zur Herbstkirmes in Straelen im Rahmen des Turnus im Stadtbund Straelen.

Die St.Quirinus-Bruderschaft verfügte in früheren Jahren zwar nicht über große Geldbeträge, konnte jedoch laut altem Kassenbuch von 1909 ständig einen Bestand von 100 bis 150 Mark aufweisen.

Auch die Mitgliederzahlen waren in etwa konstant. Im Jahre 1928 waren 242 Männer des Stadtgebietes als Mitglieder eingetragen. Nach den fortgeschriebenen Mitgliederlisten von Januar 1933 waren es noch 218 Mitglieder. Im April 1947, als sich die Bruderschaft nach dem 2. Weltkrieg wieder St. Quirinus-Bruderschaft nennen durfte, wurden 133 Mitglieder gezählt. Im Jubeljahr 1997 zählte die Bruderschaft stolze 310 Mitglieder.